11-04-2014
Suddeutsche Zeitung
Der Pianist Roberto Cominati
München- Welcheini~nusilca1ischesGlück es ist, dass es den Steinway-Flügel gibt, koniite man einmal wieder staunend bei Scarlatti-Sonaten in der Allerheiligen-Hof- kirche erfahr~n. Die sind zwär~für das Cern- hain komponiert, aber, der junge italieni sche Pianist Roberto Cominiati verwandel te sie von emsigen Einspielstücken mit sen sibelsterKlavierkulturzu fast impressionis tischen Charakte~stückeit Und das ganz oh ne romantisierendes Parfum, einfach durch das Ausleuchten ihrer Innenbezirke mittels der Palette des nuancenreichen Kla viertones. Geschickt wählte er dafür nach dem kessen C-Dur der ersten Sonate vier an dere im intrövettierten Moll. Dort ieigte‘ er nicht nur, welches Ausdruckspotenzial in diesen Miniaturen steckt, soridem auch dass er sein Klangempfinden über Maurice Ravel kultiviert hat. 20il hat er dessen ge samtes Klavierwerk auf CD eingespielt. Welches utopische Vermögen in Bachs Musik selbst noch für ein einstimrniges Ins trument steckt, zeigte er an Busonis Bear beitung der Chaconne aus der d-MoU Parti ta für Violine. Cominiati entfesselte es mit neapolitanischem Brio, viel Pedal und Don-• nerforte: ein Konzept, das den massiven Kli maxausbrüchen gut bekommt, dem unter gründigen, „ostinaten“ Puls aber weniger. Danach war er‘ bei Ravel wieder ganz in seinem Revier. In der selten gespielten Sonatine fis-Moll mit dem flirtenden Anim~-Fjnaje bereitete Cominiati sein Publikum auf die impressiönistischen Far benspiele der „Miroirs“,vor, die.im selben Jahr, 1905, entstanden sind. Arabesken, Träume und exquisite Klangräume von es Moll bis‘ cis-Moll schimmerten auf, däzu gab es eine spritzige Huldigung an spani sches Kolorit mit „Alborada del gracioso“. Zum Abschluss dekonstruierte er „La Val se“ und dessen selige Walzer-Morbidezza mit tödlicher Ironie. KLAUS P. RICHTER
Klaus Richter